this human world - Filmpreise 2010

 

Am 10.12.2010, dem Internationalen Tag der Menschenrechte wurden im Wiener Schikaneder Kino die ersten Filmpreise des Internationalen Filmfestivals der Menschenrechte verliehen.

Die Auszeichnungen wurden in 2 Kategorien vergeben, dazu gab es eine lobende Erwähnung der Jury für einen weiteren Film.

 

  • Jurypreis

Der Jurypreis (dotiert mit 3.000 Euro) wurde vom Bundesministerium für Europäische und Internationale Angelegenheiten gestiftet. Das Entscheidungsgremium setzte sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammen:

 

Univ. Prof. Dr. Manfred Nowak - Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Menschenrechte

Arash T. Riahi - Österreichischer Filmemacher, Träger des Wiener Filmpreises für "Ein Augenblick Freiheit"

Georg Friedrich - Österreichischer Schauspieler

Andrea Schurian - Kulturjournalistin

Teodora Nikolova - Künstlerin

 

Als Gewinner wurde gekürt:

 

CONGO IN FOUR ACTS

Dokumentarfilm, Kongo, Dom. Rep., Südafrika (2010)

Regie: Dieudo Hamadi, Divita Wa Lusala, Patrick Ken Kalala, Kiripi Katembo Siku

 

congo in four acts
 
Kurzinhalt:
Die vier eindrucksvollen und äußerst kritischen Kurzfilme LADIES IN WAITING, SYMPHONY KINSHASA, ZERO TOLERANCE und AFTER THE MINE zeigen Realität und Alltag in der Demokratischen Republik Kongo.
 
Director's Statement:
Unsere vier Filme sind das Ergebnis einer umfassenden Regieausbildung, an der wir gemeinsam teilgenommen haben. Hauptziel unserer Filme war die Auseinandersetzung mit der Demokratie in unserem Land, der Demokratischen Republik Kongo. Die meisten Filme, die hier entstehen, werden von Ausländern gedreht, die für kurze Zeit einfliegen und sich in ihren Momentaufnahmen von unserer Gesellschaft vor allem auf die Kriegsgräuel und das Elend konzentrieren. Mit der Zeit hat es uns frustriert, die immer gleichen Bilder von unserem Land zu sehen, und wir beschlossen, Filme über ganz normale Menschen zu drehen und ihren Existenz- und Überlebenskampf zu zeigen: Wie kommen sie in einer Gesellschaft zurecht, in der es viele Probleme gibt? Wie finden sie trotz aller Widrigkeiten ihren Weg? Wie können sie inmitten des Chaos den Kopf über Wasser halten? Vor allem schien es uns wichtig, persönliche Filme zu machen, ohne jeglichen Kommentar oder andere Eingriffe. Ganz im Stil des Cinéma vérité haben wir auf Musik oder eine auffällige Schnitttechnik verzichtet. Die Protagonisten sollen für sich sprechen, und wir hoffen, dass man über ihre Geschichten hinaus auch etwas über die Gesellschaft erfährt. Die Drehbedingungen in der Demokratischen Republik Kongo sind berüchtigt. Uns als jungen Filmemachern gelang es jedoch, ein enges Vertrauensverhältnis zu unseren Protagonisten aufzubauen. Das trug dazu bei, dass wir Einblick in ihr privates Umfeld, ihre Ansichten und ihre Befindlichkeit erhielten. So konnten wir die gekünstelte Attitüde vermeiden, die so vielen Filmen über den Kongo anhaftet. Die Demokratische Republik Kongo hat seit der Staatsgründung lange Jahre der Diktatur und des Kriegs erlebt. Vor diesem Hintergrund erscheint es uns besonders wichtig, Filme zu drehen, die über die Schlagzeilen und die kurzen Nachrichtenclips hinausgehen, die ansonsten das Bild prägen, das die Welt von unserem Land hat. Wir fühlen uns verpflichtet, alltägliche Geschichten zu erzählen, von denen sich unsere Gesellschaft angesprochen fühlt und die uns gleichzeitig helfen, besser zu verstehen, wer wir sind und wohin wir gehen. Im Jahr 2010 feiert die Demokratische Republik Kongo ihre 50-jährige Unabhängigkeit. Wir hoffen, dass unsere Filme dazu beitragen, die Wahrnehmung unseres Landes zu verändern und jenseits des Pomps und der Jubiläumsfeierlichkeiten der Realität des heutigen Lebens hier ins Auge zu sehen.
 
Pressestimmen:
Als 'Herz der Finsternis' ist der Kongo für den Rest der Welt bis heute eine riesige Projektionsfläche geblieben. Dem setzen junge kongolesische Regisseure mit diesem Film eine Innenansicht gegenüber. Sie erforschen mit der Kamera unterschiedliche Mikrokosmen: Der Film beginnt mit dem absurden Alltag in einer Entbindungsstation. Nach der Geburt können viele der Mütter dieses Hospital nicht verlassen, weil sie die Rechnungen nicht bezahlen können. Die Frauen und ihre Babys stecken ganz zu Beginn des neuen Lebens fest in den Fängen von Armut und Bürokratie. Dann folgt eine Reise durch das atemberaubende Labyrinth, in das sich Kinshasas Infrastruktur verwandelt hat. Eine junge Journalistin wird porträtiert, deren Vater als Regierungsgegner ermordet wurde, Grace Ngyke setzt den Kampf für freie Meinungsäußerung in einer veränderten, aber nicht weniger komplizierten Gegenwart fort. Der Film endet in einer der vielen gespenstischen Minenstädte, denen der Kongo seinen ungeheuren Reichtum verdankt. Eine Frau und Kinder, die noch kaum laufen können, arbeiten wie Sisyphos und klopfen Steine. Congo in Four Acts funktioniert als das gelungene Experiment der Filmemacher, sich die Projektionsfläche der anderen als Leinwand zurückzuerobern (Dorothee Wenner).
 
Begründund der Jury:
Die Jury vergibt den Preis an "Congo in Four Acts", weil die vier kongolesischen Filmemacher Dieudo Hamadi, Divita Wa Lusala, Patrick Ken Kalala und Kiripi Katembo Siku in aufwühlend  radikal  und gespenstisch direkt Innenansichten ihres durch Krieg und Diktatur verwüsteten Heimatlandes Kongo zeigen: bitterste Armut, politische Willkür, Hoffnungslosigkeit, Kinderarbeit, einfache Menschen, die um ihre Existenz kämpfen. Die vier leisten mit den vier äußerst kritischen Kapiteln (Ladies in Waiting, Symphony Konshasa, Zero Tolerance und After the Mine) ihres eindrucksvollen Dokumentarfilms  wichtige Bewussts- und Aufklärungsarbeit.
 
Dankesworte der Preisträger:

We are truly humbled and honoured to be receiving this award. Thank you very much. We hope that this award will raise awareness about the plight of millions of citizens of the DRC and that it will be a call to action to support those in the country who are actively contributing to improving peoples' lives.

Thank you!

 

Biografie der Regisseure:

 

Kiripi Katembo Siku wurde am 20. Juni 1979 in Goma, Demokratische Republik Kongo, geboren und studierte an der Kunsthochschule von Kinshasa. Er arbeitet als Produzent, Fotograf und Maler. Seine Fotografien und Bilder wurden in diversen Einzel- und Gruppenausstellungen in Kinshasa präsentiert.

Dieudo Hamadi wurde am 22. Februar 1984 in Kisangani geboren und studierte von 2005 bis 2008 Biomedizin. Seit 2002 hat er einige Dokumentar-/ Film-Workshops und Videoschnitt-Lehrgänge absolviert und arbeitet seit 2004 als Cutter, Produzent und Regieassistent u. a. für Suka! Productions in Südafrika.

Patrick Ken Kalala wurde am 5. Oktober 1981 in Kinshasa geboren. Er studierte erst Theaterwissenschaften und seit 2006 Kulturwissenschaft an der Kunsthochschule von Kinshasa. Er ist als Regisseur, Produzent, Kameramann, Schauspieler und Drehbuchautor tätig und hat einige Kurzfilme gedreht.
Divita Wa Lusala wurde am 3. September 1973 in Kinshasa geboren. Von 1996 bis 1999 arbeitete er für den staatlichen kongolesischen Fernsehsender RTNC und zwischen 1999 und 2009 für den kongolesischen Privatsender AA 1. Seit 2009 ist er als Cutter und Kameramann für die südafrikanische Produktionsfirma Suka! Productions tätig.

 

 

 

Von der Jury lobend erwähnt wurde:

 

IO, LA MIA FAMIGLIA ROM E WOODY ALLEN (ME, MY GIPSY FAMILY AND WOODY ALLEN)

Dokumentarfilm, Italien (2009)

Regie: Laura Halilovic

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Kurzinhalt:

Mit einer kleinen Handkamera dokumentiert die 19jährige Regisseurin Laura Halilovic die Vergangenheit und vor allem die Gegenwart ihrer Familie, die Ende der 70er Jahre von Bosnien-Herzegowina nach Italien kam. Im Unterschied zu Laura reisen viele ihrer Verwandten, wie auch ihre eigenwillige Großmutter, noch in Karawanen. Die hasserfüllten Reaktionen der lokalen Bevölkerung und die Haltung der staatlichen Behörden verdeutlichen, dass diese nomadische Lebensart keinen Platz im heutigen Europa, geschweige denn in Berlusconis Italien, findet. Dieser fröhliche und überraschend einfallsreiche Film mit ausgezeichneter Musik bietet einen unkonventionellen Blick auf die Roma - ein Blick aus dem Herzen der Gemeinschaft.

 

Auszeichnungen:

  • Audience Award, Rolling Film Festival
  • Best Documentary, Visioni Fuori Raccordo Film Festival
  • Jury Mention, Ucca Prize, Bellaria Film Festival
  • Best International Documentary Award, One World Festival Kosovo
  • Grand Prix for Author's Documentary, Monte-Carlo Television Festival Écrans d'or in the feature-lenght section, Écrans Festival
  • Cinema Against Racism Award, Special Jury Mention
  • Special Prize of the Jury, this human world - Vienna International Human Rights Film Festival, 2010
 

Biografie der Regisseurin:

Laura Halilovic, geboren 1989 in Turin, trat schon mit 15 in einer Dokumentation von Davide Tosco und Nicola Rondolino auf und drehte 2006 ihren ersten Kurzfilm -"Illusione" (eine Geschichte über Liebe in einer Teenager-Gruppe). 2009 inszenierte sie den Kurzfilm "My Dream" über die Träume einer Gruppe junger Roma. Me, My Gipsy Family And Woody Allen ist ihr erster Dokumentarfilm.

 

Die Jury ermöglicht dem Film einen regulären Kinostart.

 

 

  • Publikumspreis

Der Publikumspreis (dotiert mit 2.000 Euro) wurde in Kooperation mit dem Renner Institut verliehen.

 

Ex aequo gewannen:

 

POSTCARD TO DADDY

Dokumentarfilm, Deutschland (2010)

Regie: Michael Stock

postcard to daddy 02

 

Kurzinhalt:

Der Filmemacher Michael Stock wurde im Alter zwischen acht und sechzehn Jahren von seinem Vater sexuell missbraucht. 25 Jahre später konfrontiert er vor laufender Kamera seine Familie mit seiner Vergangenheit. Den daraus entstehenden Dokumentarfilm führt er schließlich seinem Vater vor. Trotz des unfassbaren Dramas ist POSTCARD TO DADDY nicht von Hass geprägt, sondern von Hoffnung und Liebe zum Leben. Michael Stock will nicht anklagen, sondern verstehen.

 

Pressestimmen:

'Ein Film, der zum Lebensprojekt, zum Überlebensprojekt geworden ist. Man merkt den ungeheuer dichten, komprimierten 86 Minuten an, dass er eine zwanzigjährige Entstehungszeit besitzt. So perfekt ausbalanciert ist der Wechsel von Interviews zu Szenen aus Stocks Alltag geraten.
(...) Ein so beklemmender wie behutsamer Film. Wer sich mit sexuellem Missbrauch befasst, wird nicht an ihm vorbeikommen.' Tilman Krause, Die Welt

 

'Ein Dokumentarfilm, der ehrlich, aber gefühlvoll mit dem Thema umgeht. Dabei geht es Stock nicht im Geringsten um Zurschaustellung seiner seelischen Wunden. Es geht ihm um Abschluss, um den Seelenfrieden seiner selbst und seiner Familie. (...) Vor allem die Mutter, die in all den Jahren nichts bemerkt hatte, nimmt Stock mit auf seinen Heilungsprozess. Beide fahren nach Thailand und versuchen, in langen und schonungslosen Gesprächen einen Abschluss zu finden. (...) Die Frage, wie der Vater wohl zwanzig Jahre später darüber denkt, versucht Stock ebenfalls zu beantworten. Es ist fast unglaublich, dass es ihm gelingt, ihn ebenfalls zu interviewen. So viel Chuzpe hat man im Kino lange nicht gesehen.' Beatrice Behn, kino-zeit.de

 

Preise:

  • Honorable Mention in der Sektion Documentary Feature, Los Angeles Reel Film Festival 2010

  • Best Directing Award in der Sektion Documentary Feature, Los Angeles Reel Film Festival 2010

  • Special Mention, San Francisco International LGBT Film Festival 2010

  • Best Documentary Feature, Tel Aviv Fest 2010

  • Best Personal Narrative, Amsterdam Film Festival 2010

  • Outview Award for Best Film, Gay&Lesbian Film Festival 2010

 

Biografie des Regisseurs:

Michael Stock, Drehbuchautor, Filmemacher, Schauspieler. Geboren am 24.3.1968 in Steinhöring bei München, aufgewachsen im Schwarzwald, seit 1987 wohnhaft in Berlin. Filmdebüt 1993 als Schauspieler, Autor, Produzent und Regisseur mit Prinz in Hölleland (Publikumspreis beim Max-Ophüls-Festival 1993). Rollen in Filmen von David Huston (Claudette Colbaire, 1994), Todd Verow (FRISK, 1996), Jürgen Brüning (Er hat 'ne Glatze, er ist Faschist, 1997) und Peter Jürgenmeister (Finale, 1997) und am Theater. Seit 1996 TV-Beiträge für Pro 7, u.a. für die Sendung 'Liebe Sünde'. 2005 Segment Sternenstaub verloren... für die Kurzfilmkompilation Fucking Different. 2008 Dokumentarfilm Ich liebe Dich für TIMM TV. 2010 POSTCARD TO DADDY.

 

 

 

FC CHECHNYA

Dokumentarfilm, Österreich (2010)
Regie: Fahad Mustafa 
FC Chechnya
 
Kurzinhalt:
Der Film dokumentiert einen Fußballklub, der von tschetschenischen Flüchtlingen und AsylwerberInnen in Kärnten geführt wird - und wie er als eine soziale und psychologische Hilfsbasis im langen und emotional belastenden Asylprozess in Österreich dient. Es leben etwa 25.000 tschetschenische Menschen in Österreich, eine der größten Gemeinschaften in Europa. Der Film verfolgt den Alltag von drei jungen Flüchtlingen, die sich im Asylverfahren befinden und schon seit Jahren auf eine positive Entscheidung warten. Der Film zeigt das Leben ihrer Familien und ihre Persönlichkeiten auf und vor allem, wie Fußball ihnen dabei hilft, mit ihrem Status als Flüchtling und mit dem Asylverfahren fertig zu werden - und an ihrem Traum von einer positiven Zukunft festzuhalten.
 

Biografie des Regisseurs:

Fahad Mustafa wurde in Kanpur, Indien, geboren und lebt seit drei Jahren in Wien.