Der Gewinner des diesjährigen Jurypreises war "Other Europe" der italienischen Regisseurin Rosa Schillaci, die Filme "The Well - Water Voices from Ethopia" von Paolo Barberi und Riccardo Russo, sowie der Film "Generation Kunduz - the war of the others" von Martin Gerner erhielten lobende Erwähnungen.
 
 
 JURY BEGRÜNDUNG "Other Europe"
 
Other Europe (Altra Europa) von Rossella Schillaci erzählt vom Leben in aufgezwungenem Stillstand, dem Leben einer Gruppe afrikanischer Immigrantinnen/Immigranten in Turin. Die leer stehende Klinik, die sie besetzt und in der sie sich ein provisorisches Zuhause eingerichtet haben (wozu es in Österreich noch nie gekommen ist), sollen sie nun verlassen, sie sollen umgesiedelt, abgezählt und kontrolliert werden.
Die präzise eingesetzte Musik schafft eine Geräusch- und Klangkulisse,
die humorvoll das Verrinnen der Zeit und zugleich ihr Stillstehen beschreibt. Sie pointiert die neugierigen, ungewöhnlichen Bilder, in denen wir die Menschen und ihren minimalen Lebensraum ebenso kennen lernen, wie das unüberblickbare System, dem sie ausgeliefert sind. Other Europe zeigt Menschen in einer Pattsituation und bleibt dabei in seiner Erzählung immer spannend: auf Ämtern, bei der Berufsausbildung, bei der Bürgerversammlung, auf  Demonstrationen; die Bewohner kämpfen um ihr Haus! Es ist kein Kampf um Legalität ? sie sind legal in diesem Land, es ist der Kampf darum, von diesem Land als vollwertige Menschen behandelt zu werden. Vom einzigen europäischen Land übrigens, in dem sie leben dürfen - denn dort haben sie Asyl beantragt.
Es ist nicht die geographische Nähe Turins die den Film so nahe, nicht nur die Flüchtlingswelle des „arabischen Frühlings“, die ihn so aktuell und dringlich macht. Was Other Europe unangenehm an uns heran rückt sind vor allem Szenen wie die, in der die Immigranten - der Landessprache mächtig - aus einer Tageszeitung erfahren, wie sehr die italienischen Nachbarn ihretwegen um die Sicherheit ihrer Kinder bangen.
Khaled, Shukri, Ali und ihre Mitbewohner, deren Leben scheinbar nichts mit den unseren zu tun haben, hatten sich ein anderes Europa erwartet.

 

 

 

 

 

JURYBEGRÜNDUNG LOBENDE ERWÄHNUNG
"The Well - Water Voices from Ethopia"
 
Der Film „The Well“ (Der Brunnen) zeigt uns eine Welt, in der nichts selbstverständlich ist.
In einer der trockensten Regionen Äthiopiens ist der freie Zugang zu Wasser eine Existenzfrage. Seit Generationen bewirtschaften die dort lebenden Stämme tief in die Erde geschlagene Brunnen, die ihnen und ihrem Vieh während der Trockenzeit das Überleben sichern.
Das Instandhalten der Tränken, das Schöpfen des Wassers geschieht händisch und unter großen Mühen und basiert auf uralten Gemeinschaftsprinzipien mit klaren Regeln und ohne individuellen Vorteil.
In großartigen Bildern zeichnet dieser Film ein beeindruckendes Portrait von Menschen am äußersten Rand der bewohnbaren Welt, und wie sie es schaffen, ein kollektives Gut in dem Wissen zu bewahren, dass etwas für die Gemeinschaft verloren ist, sobald es in den Besitz eines einzelnen übergeht.
 
"Generation Kunduz - the war of the others"

Einen Film über die Last der Verhältnisse und die Zuversicht hat der deutsche Regisseur Martin Gerner gedreht. In "Generation Kunduz" kommt eine junge Generation im heutigen Afghanistan zu Wort, gewinnt Gesicht, die trotz Taliban- und Anschlagsgefahr Aufbruchsstimmung in sich trägt. Der kleine Schuhputzer, der Bildung anstrebt, die Journalistin, die Jus studieren möchte, der Agrarexperte und Wahlbeobachter, der auf demokratischen Wandel hofft, die Filmemacherin, die der afghanischen Gesellschaft einen Spiegel vorhalten möchte, werden in ihren Wünschen und Ängsten verständlich. Dass sie sich, indem sie sich an dieser Dokumentation beteiligen, über die in Afghanistan offenbar allgegenwärtigen Ängste hinwegsetzen, macht den Film zu einer Botschaft. Die professionelle, unaufdringliche Kameraführung, die an den richtigen Stellen Akzente setzt, verstärkt dies.

 

 

 

 

 

 

 

PUBLIKUMSPREIS
 
Das Publikum bekam im Rahmen von jeder Vorstellung die Möglichkeit über den Publikumspreis 2011, mit Stimmzettel abzustimmen. Der Gewinner wurde anschließend an die letzte Vorführung mittels der Stimmzettel im Gegenüberstellung zu Saalgröße und Besucherauslastung ermittelt. Der diesjährige Gewinner des Publikumspreises von this human world ist der kanadische Dokumentarfilm "You Don´t Ilke the truth - 4 days inside Guantanamo" von Luc Coté und Patricio Henriquez.
 
Schmerzlich stark und doch absolut magnetisch, You Don´t Like the Truth zeigt Ausschnitte der Vernehmung des 16-jährigen Omar Khadr aus dem Jahr 2003. Er ist kanadischer Staatsbürger, der beschuldigt wird, während eines Feuergefechts in Afghanistan einen amerikanischen Soldaten  getötet zu haben. Die Regisseure werfen einen Blick hinter einen sehr dunklen Vorhang und zeigen in verstörenden Bildern die psychologische Grausamkeit, mit welcher der Teenager konfrontiert wurde. Begleitet werden die Aufnahmen durch Kommentare von ehemaligen Zellengenossen, einer Juristin, einem Psychiater sowie der Mutter und Schwester von Omar und von einem reumütigen amerikanischen Armeebeamten. Der Überwachungskamera-Stil dieses Films ist eine Analyse der politischen, rechtlichen und wissenschaftlichen Aspekte dieses erzwungenen Dialogs.

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this human world findet in spezieller Kooperation mit dem

Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte statt

this human world SchülerInnen Kurzfilm Wettbewerb 2011
 
Das erste österreichische Filmfestival für Menschenrechte, this human world (thw) veranstaltete 2011 mit Schulen in ganz Österreich, mit Unterstützung des BMUKK (in Kooperation mit dem Media Literacy Award) und unter der Schirmherrschaft von UNESCO Österreich einen SchülerInnen Kurzfilm Wettbewerb zum Thema Menschenrechte.
10-20 jährige SchülerInnen sind eingeladen Kurzfilme zu den Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu drehen, die im Rahmen des im Dezember 2011 stattfindenden Filmfestivals, this human world, von einer prominenten Jury prämiert und dem Festivalpublikum präsentiert wurden.

 

Hier die drei Gewinnerfilme von 2011